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Papua-Neuguinea
8 Min. Lesezeit

Vom Sepik ins Bergland: zu Fuß durch Papua-Neuguinea

Fünf Stunden Dschungel, ein gut erhaltenes B-17-Wrack im Bergland und ein Weg, den wir wegen einer jahrzehntealten Familienfehde ändern mussten.

Marcel

Guide

Fahrt im Langboot über einen spiegelglatten Fluss, am Ufer Palmen und dahinter Berge

Am Sepik

Im Mai 2026 flogen wir in die Nähe des Sepik, eines der großen Flüsse von Papua-Neuguinea. Dort trafen wir unsere beiden Kontakte vor Ort und organisierten Land Rover und Treibstoff. Fünf Stunden ging es durch den Dschungel, dann stiegen wir auf ein kleines Boot um. Über ein Dorf erreichten wir mit einem weiteren Bootsabschnitt eine kleine Hütte am Ufer, die als Jagdunterkunft gebaut worden war.

Zwei Tage blieben wir dort und jagten. Zu essen gab es Flughund, Beutelratte und Schlange. Flughund schmeckt kräftig und wild, weil die Tiere kein Fleisch fressen, sondern vergorene Früchte. Beutelratte und Schlange schmeckten dagegen mild, die Schlange erinnerte im Geschmack an Landjäger. Gegen die vielen Mücken rauchten wir Tabakblätter, die wir in Zeitungspapier gerollt hatten.

Als wir weiterwollten, gab es zunächst kein verfügbares Boot, dann war der Motor eines gefundenen Boots defekt. Schließlich kam jemand mit einem eigenen Boot vorbei, mit dem wir zwei Tage den Fluss hinunterfuhren, bis wir ein Dorf mit Straßenanschluss erreichten. Dort übernachteten wir. Mitten in der Nacht trugen zwei Männer ein lebendiges, gefesseltes Krokodil an uns vorbei. Auf Nachfrage erklärten die Dorfbewohner, dass Krokodiljagd bei ihnen zur Kultur gehört, in dieser Nacht ging es aber um etwas anderes: Kurz zuvor war jemand im Dorf durch Fremdeinwirkung gestorben, und die Familie des Verstorbenen hatte von den Verantwortlichen eine Kompensation verlangt, in Form eines Krokodils aus dem Fluss. In dieser Nacht war das Tier gefangen worden. Den genauen Hergang des Todesfalls wollten uns die Dorfbewohner nicht nennen.

Ins Bergland

Von dort fuhren wir weiter an die Küste und übernachteten in einem Hotel. Unterkünfte sind in Papua-Neuguinea generell teuer, der Preisunterschied zwischen einfachen und besseren Häusern ist gering, deshalb entschieden wir uns für das bessere Hotel. Dort trafen wir zufällig einen deutschen Auslandskorrespondenten, der privat unterwegs war.

Anschließend reisten wir mehrere Tage in die zentrale Bergregion des Landes, um ein Flugzeugwrack zu suchen, das im Vorfeld recherchiert worden war. Von dort wollten wir auf einem Weg zur Küste hinunterlaufen, den japanische Truppen im Zweiten Weltkrieg begehbar gemacht hatten.

Mit einem Bus kamen wir in einem Dorf an und trafen einen Pastor, der neben seiner kirchlichen Arbeit auch im Goldabbau tätig ist. Zwei Tage blieben wir bei ihm und besuchten seinen Gottesdienst. Angekündigt war eine halbe Stunde, tatsächlich dauerte er vier Stunden, in einer Sprache, die wir nicht verstanden, mit einer sehr intensiven, emotionalen Form des Predigens. Am Ende wurden wir für unseren Weg gesegnet. Der Pastor wollte uns zunächst fünf Begleiter mitgeben, nach Verhandlung waren es zwei, dafür zahlten wir eine kleine Summe.

Wir erreichten das Wrack, eine viermotorige amerikanische B-17, die auf einer Hangwiese notgelandet und gut erhalten war. Wir stiegen ein und sahen uns das Wrack von innen an. An diesem Tag regnete es stark, wir warteten dort eine Weile ab, komplett durchnässt.

Der Umweg

Der Abstieg von dort zur Küste zog sich über mehrere Tage und führte an etwa drei Dörfern vorbei. Dort halfen wir den Bewohnern beim Goldwaschen am Fluss, den Dorfbewohnern gefiel das. Der Pfad war streckenweise kaum zu erkennen. Während unsere Begleiter in Flipflops mühelos darüber gingen, kamen wir immer wieder ins Rutschen. Einmal rutschte einer von uns etwa fünf Meter einen Hang hinunter und blieb kopfüber in Brombeersträuchern hängen, fluchend, aber froh, nicht gegen einen Baum geprallt zu sein.

Einer unserer Begleiter sprach sehr gutes Englisch und erklärte uns unterwegs, warum wir nicht die komplette geplante Route liefen. Vor rund zehn Jahren waren Australier mit zwei einheimischen Trägern denselben Weg gegangen. An einer Stelle, wo sie ihr Zelt aufgeschlagen hatten, wurden sie von Männern aus dem Wald angegriffen. Die Australier kamen mit Machetenverletzungen davon, die beiden Träger wurden getötet. Seitdem besteht zwischen den beteiligten Familien ein ungelöster Konflikt. Unsere Begleiter gehörten zu einer der beiden Familien, das nächste Dorf auf der ursprünglichen Route zur anderen. Es bestand die Gefahr, dass unsere Begleiter dort angegriffen würden, deshalb entschieden wir uns für den anderen Weg.

Der Begleiter, der uns das erklärt hatte, wirkte danach lange bedrückt. Wir fragten uns, ob es auch daran lag, dass wir langsam vorankamen und uns wiederholt verirrten. Am Ende entschuldigte er sich ausdrücklich dafür, dass wir wegen dieser Geschichte nicht den geplanten Weg hatten gehen können. Wir versicherten ihm, dass uns die Sicherheit aller wichtiger war als die ursprüngliche Route.

Zurück in Port Moresby

Von der Küste ging es mit Boot, Flug und Bus zurück nach Port Moresby, wo wir sieben Tage blieben. Insektenstiche, die einer von uns aufgekratzt hatte, hatten sich an einem Bein entzündet, geschwollen und mit Eiter. Die meiste Zeit lagen wir im Bett und holten Schlaf nach. Das Hotel dort hatte ein großes Frühstücksbuffet, mit einer Wand voller Donuts, Papaya, Kiwi und Ananasmarmelade, Waffeln und Bacon.

Für ein paar Tage mieteten wir zu dritt einen Land Cruiser und fuhren durch die Umgebung von Port Moresby. Viele Menschen dort kauen Betelnuss, was den Speichel rot färbt, ausgespuckt landet er häufig in PET-Flaschen am Straßenrand. Eine dieser Flaschen wurde von einem Auto überrollt, die rote Flüssigkeit spritzte auf unseren weißen Wagen, bis ins offene Fenster hinein.

Auf dem Hinflug von Singapur nach Port Moresby hatten wir eine Flugbegleiterin der papua-neuguineischen Fluggesellschaft kennengelernt, die uns vor der Reise alles Gute wünschte. Auf einem Inlandsflug nach unserer Rückkehr trafen wir dieselbe Flugbegleiterin wieder. Sie freute sich sichtlich, machte Fotos mit uns und erkundigte sich nach der Reise.

Auch nach der Rückkehr blieb mein Bein noch einige Wochen entzündet. Bis ich mich vollständig erholt hatte, vergingen ebenfalls einige Wochen. Mit einer solchen Art von Auslandsaufenthalten mache ich in den nächsten Monaten Pause.

Gruppe watet über eine Sandbank zu zwei Booten am Ufer, dahinter Regenwald unter bedecktem Himmel
Dicht bewaldete Hügel am Ufer eines breiten Flusses, vom Boot aus gesehen
Bemalter Kleinbus an einer Bergstraße, dahinter bewaldete Karstfelsen

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